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SWR-Filmteam am Goethe-Gymnasium Karlsruhe
  
Freitag, 13. März 2009, 18.30 Uhr: Wir begutachten die Aufbauarbeiten zum Film :
Über dem Haupteingang im Hof ein Schild mit dem Leitspruch: „Wissen ist ein Schatz, der seinen Besitzer überallhin begleitet.“ Die Klingel verdeckt ein Pappkarton mit der Aufschrift „Goethe-Schule“. Darüber hängt eine altmodische Laterne von der Eingangsfassade herab. Im Foyer: Monster in langen Flattergewändern mit dicken Köpfen aus bemaltem Gips hängen an Holzlatten um die Säulen. Schwarze Raben aus Pappmachée hocken auf der Balustrade, kleine Drahtgespenster werfen Schatten auf düstere Maskenbilder aus Kreide im Gang zu den Chemieräumen. Ein Holzschrank, alt und wacklig, mit dicken Büchern, Dosen, Schubladen und etwas weiter ein Kamin aus Holz dekorieren den Flur, der in eigentümliches Licht getaucht ist. Es kommt von gelb und grün getönten Plexiglasscheiben, die von außen auf unsere Fenster montiert sind. Eine uralte Schulbank und einen Karton, in dem echte Knochen eines Pferdeskeletts stecken, entdecken wir auch.
Wir treffen die Initiatoren dieser seltsamen Schulverwandlung, die Szenenbildnerin, Frau Pamela Schmidt, und den Requisiteur, Herrn Moll, zum Interview. Sie stellen sich geduldig unseren Fragen und wir erfahren, dass der Film, der hier gedreht wird, zu einer 10-teiligen Serie gehört, die Kinder beim Deutschlernen unterstützen soll.
Die Hauptpersonen sind zwei Puppen: Mumbro und Zinell. Sie leben außerhalb unserer Welt in einer Höhle bei ihrem König. Dieser ist sehr unzufrieden und erteilt ihnen in jeder Serie einen neuen Auftrag. Sie müssen ihm als seine Agenten etwas ganz Bestimmtes aus der Menschenwelt mitzubringen. In einer Folge, die in einem Zirkus spielt, wünscht sich der einsame König z.B. eine Familie. In unserem mit "Schule" überschriebenen Film wünscht er sich Wissen.
Inmitten eines fürchterlichen Gewitters rutschen die beiden zotteligen Außerirdischen das Dach unserer Schule herunter und treffen auf den Hausmeister. Dieser zeigt ihnen, was eine Schule ist und erteilt ihnen eine Unterrichtsstunde. Zum Schluss führt er ihnen ein Experiment vor, bei dem er wild verschiedene Chemikalien zusammenmischt und damit eine Explosion auslöst. Das Klassenzimmer ist mit einer schwarzen Schicht überzogen und genau in diesem Augenblick klingelt die Schulglocke zum Unterricht. Der Hausmeister weiß sich nicht zu helfen. Doch zum Glück können die zwei Außerirdischen zaubern und im Nu ist das ganze Klassenzimmer wieder sauber und die beiden "Schüler" mit ihrem bedeutenden Wissensschatz verschwunden.
Die Szenen mit dem Dach und dem Klassenzimmer wurden in einem Studio gedreht. Das Dach und das Klassenzimmer wurden dafür komplett nachgebaut. Fast alles dafür stammt aus dem Requisitenlager des Senders in Baden-Baden. Dort findet man Unzähliges, vom Blumentopf bis zum Hubschrauber; der Kamin z.B. ist schon in vielen Filmen wie dem "Tatort" eingesetzt worden. Tierpräparate, wie sie die Biologiesammlung unserer Schule bieten kann, sind aber nicht in der Baden-Badener Requisite vorrätig. Das Drehbuch hatte eine Schlossschule vorgeschrieben. Unter 15 anderen Schulen konnte das Goethe-Gymnasium als Nummer 1 mit seiner einzigartigen Architektur das Filmteam voll und ganz begeistern. Nur die bunten Bilder auf unseren Fluren mussten natürlich ersetzt werden, weil sie nicht ins Drehbuch passten. Kein Problem für uns Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klasse! Unter der Leitung von Frau Eberhard und Frau Korn entstanden in ganz kurzer Zeit Masken und Köpfe wie sie in ein gruseliges Filmambiente gehören. Schon einen Tag zuvor wurde hier mehrere Stunden in der Biologiesammlung gedreht, wovon wir überhaupt nichts bemerkt hatten. Denn es wurde nachts gedreht. Allerdings brauchte es einige Tage Vorbereitung, bis beispielsweise das Pferdeskelett so stand, dass es bei der kleinsten Berührung in Sekunden zusammenfiel. Für 15 Minuten Spieldauer wird volle vier Tage gefilmt. Ein Drehtag könne - je nach Film und Aufwand - schon mal an die 30.000 Euro kosten. In unserem Fall beispielsweise wird das Licht sehr aufwändig von außen über einen Lastwagen mit Scheinwerfern durch die farbig verkleideten Fenster geworfen. Im Inneren wird dadurch die Atmosphäre etwas mystisch.

19.00 Uhr: Wir beobachten den Aufbau der Kameras:
Draußen auf dem Schulhof fahren bereits LKWs und eine Hebemaschine vor. Etwa eineinhalb Stunden braucht das Team, um die Autos an den richtigen Platz zu bringen und alle Nebelmaschinen, Ventilatoren und Scheinwerfer so hinzustellen, dass ein Unwetter gedreht werden kann. Die erste Szene soll in der nächsten Stunde gedreht werden. Vor uns steht eine große Lampe mit einem grünen Lichtstrahl. Vor der Lampe stehen zwei Halterungen, in denen jeweils ein Stückchen Baumkrone befestigt ist. Diese werden beim Dreh geschüttelt, so dass sie große Schatten werfen und stürmisches Wetter simulieren. Beim Eingang stehen Nebel- und Windmaschinen. Mit ihrer Hilfe werden Blätter und Zeitungsstücke in die Luft gewirbelt. Die Verständigung der Filmleute verläuft über Funkgeräte, von denen jede Arbeitsgruppe mindestens eins hat. Mit der Hebemaschine soll die erste Szene aus der Vogelperspektive gefilmt werden. Fünf Kameraleute stehen in ihrem kleinen Korb hoch oben in Höhe des 4. Stocks mit der Kamera bereit. Letzte Vorbereitungen werden getroffen, Autos aus der Bildfläche gefahren. Im Werkraum steht Verpflegung für das ganze Team bereit; die Filmleute werden wahrscheinlich bis 3.00 Uhr arbeiten ohne zu schlafen. 20.30 Uhr: Letzte Kontrolle: Jetzt müssen alle Fotoapparate und Handys abgeschaltet werden, damit nichts die Dreharbeiten stört. Alles wird in grünliches Licht gehüllt; die Dreharbeiten können beginnen.
20.35 Uhr: Scheinwerfer an, Ventilator an, Ton an, Kamera an. Die Probe beginnt:
Der Hausmeister betritt die Schule. Und noch mal; jetzt wird gedreht. Diesmal ist die Taschenlampe ausgegangen. Noch mal alles auf Anfang. Ein Mann vom Kran ruft: „Kamera läuft, Nebel an, Blätter an und ... Gustav“, so heißt der Hausmeister, Gustav Peter Wöhler (http://www.gustavpeterwoehler.de). Er läuft mit dickem Schlüsselbund und großer Taschenlampe zum Schultor. Die Lampe am Eingang schaukelt, angestoßen von dem Mann mit dem Besenstiel, und die Nebelmaschine macht die Luft düster. Blätter und Zeitungsfetzen wirbeln umher. Ab und zu zuckt ein heller Lichtschein durch den dunklen Schulhof. Der Hausmeister dreht sich immer wieder forschend um und sucht mit seiner Taschenlampe die Umgebung ab. Er steckt den Schlüssel in das Schlüsselloch und der Mann von oben ruft: „Danke Gustav!“ – Die Blättermaschine geht aus und die Leute, die eben noch Blätter und Zeitungspapierfetzen vor die Windmaschine gehalten haben, fegen die Blätter wieder zusammen und legen sie wieder in die Kartons zurück. Eine Frau rennt zu dem Schauspieler, der auf den Namen Gustav hört, und legt ihm eine Jacke um, denn der Hausmeister trägt nur einen Bademantel, eine Hose darunter und Hauspantoffel an den Füßen. Der Regisseur tritt zu Gustav und geht noch mal den Szenenablauf mit ihm durch. Kleiner Tipp: „Tempo rausnehmen.“ Diese Szene wird noch einige Male wiederholt. Hinter dem Dreh stehen mindestens 20 Leute und nur ein Mensch wird gefilmt.
  
20. 45 Uhr: Die Puppenspieler sind eingetroffen:
Mit den Puppen wird jedoch erst in einer halben Stunde gespielt. Erfreut, ins Warme zu kommen, betreten wir den rechten Eingang des Schulhauses. Eine riesige, grüne, zottelige Puppe auf einem Gestell und eine kleine gelb-orangefarbene Puppe mit einem langen Rüssel fesseln sofort unsere Aufmerksamkeit. Michael Hepe, ein großer älterer Herr und Silvia Hepe, seine zierlich kleine Frau begrüßen uns freundlich. Der Puppenspieler ist mit der Handpuppe, es ist Zinell, geradezu verwachsen. Zinell kann den Kopf drehen, mit den Augenliedern wackeln, - das ergibt einen sehr sprechenden Augenaufschlag - er kann die Ohren und einen Arm bewegen. Zinell hat noch einen Zwilling mit Baumelbeinen, er wird als Marionette gespielt und in Einstellungen eingesetzt, die man Totale nennt. Mit seinen etwa 80 cm Körperlänge ist er der kleine von den beiden. Mumbro, der große Grüne mit den pelzigen Füßen kann auch viele Körperteile bewegen, ist etwa mannshoch, leicht behäbig und breit. Silvia Hepe kann sich die ganze Puppenfigurine mit einem Hüftgurt so umschnallen, dass sie mit ihrem Kopf im Kopf des Außerirdischen steckt. Im Inneren kann sie über einen Monitor sehen, wohin sie läuft. Mit einer Hand kann sie den einen beweglichen Arm der Puppe bewegen und mit der anderen steuert sie ihren Gesichtsausdruck, Nase, Augen und Ohren. Wenn die Nebelmaschine angeschlossen ist, kann Mumbro sogar aus den Ohren qualmen.
Wir wollen noch viel über den Beruf und Berufsweg der Puppenspieler erfahren und wie es zu diesem Auftrag beim SWR gekommen ist. Auf unsere Frage: „Wie viele Puppen haben Sie in Ihrem Leben schon gebaut?“, antwortet Michael Hepe: „Die Zahl ist bestimmt schon vierstellig und es ist keine 1 am Anfang.“ Entstanden sind Mumbro und Zinell aus 2 Schmierzeichnungen, die in die weiteren Entwürfe für den SWR eingegangen sind. Vor mehr als 30 Jahren hat Hepe, der den Künstlernamen Benecke (http://www.eckerken.de) trägt, schon mit dem Puppenspiel angefangen. Die größte unter seinen mehr als tausend Puppen war ein schwarzer Drache mit einer Länge von 7 Metern. Viele der Puppen, die die Hepes geschaffen haben, sind im Puppenmuseum in Dresden zu sehen.
Jennifer Neu, Anne Woetzel und Katarina Vogel, 6d /Schuljahr 08/09
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